Carbon Footprint: 0

Wie in der Bestandsaufnahme zu sehen ist, ist der größte Einzelposten meines CO2-Fußabdrucks die Mobilität. Und darin mit deutlichem Abstand mein Arbeitsweg. Es ist also Zeit für Überlegungen, wie meine Pendelstrecke klimafreundlicher zu bewältigen ist.

"Fahr Busse und Bahn"!

Wenn man sich im Internet umschaut, gibt es eigentlich immer zwei Hauptpositionen, wenn es darum geht, den CO2-Abdruck zu verringern. Die erste ist, das eigene Auto stehen zu lassen (oder gleich ganz zu verkaufen) und den ÖPNV zu benutzen. 

Ich finde diese Position etwas verkürzt und ich bin auch nicht in Gänze davon überzeugt. Ganz sicher ist der ÖPNV nicht der heilige Gral, auch wenn er natürlich einige Probleme löst.

Um in einer Großstadt schnell von A nach B zu kommen, ist ein funktionierender ÖPNV wunderbar. Ich persönlich finde, dass das z.B. in Hamburg ziemlich gut funktioniert. Die U-Bahn kommt innerhalb weniger Minuten und legt die Strecke in der Regel in einer Zeit zurück, von der man als Autofahrer nur träumen kann. Oben steht man zumindest zu den Stoßzeiten eben im Stau. Auch Parkplatzprobleme gibt es mit dem ÖPNV nicht. Aber ist wirklich alles rosarot?

Nein! Natürlich fahren in einer U-Bahn, einem Bus oder der Regionalbahn viele Personen mit. Aber so ein Gefährt benötigt auch ziemlich viel Energie. Absurd wird es, wenn sich in wie soft darüber echaufiert wird, dass Autos ziemlich schwer sind - ja, stimmt: so ein Regionalexpress ist aber auch nicht gerade ein Leichtgewicht und es braucht wirklich viel Energie, um diesen in Bewegung zu setzen. 

Dazu kommt, dass die Bahn selbst zwar gerne mit klimafreundlichem Reisen wirbt, das aber immer nur mit Zahlen aus dem Fernverkehr untermauert. Selbst auf Nachfrage bekommt man für bestimmte Pendelstrecken eigentlich kaum relevante Informationen. Die Strecke Lübeck-Hamburg ist erst seit einigen Jahren elektrifiziert (aber hey: zumindest ist sie das jetzt!). Und: Die Bahn schreibt selbst, dass sie auf den Fernstrecken auf Ökostrom setzen; auf Regionalstrecken passiert das explizit nicht. 

Der aktuelle Plan der Deutschen Bahn sieht vor, bis 2050 komplett klimaneutral zu werden. Das erscheint mir ehrlich gesagt nicht sonderlich ambitioniert. Desweiteren fiel mir negativ auf, dass lediglich der Fernverkehr offensiv kommuniziert wird. Dass 2/3 des Stromverbrauchs des Konzerns überhaupt nicht für den Betrieb des Züge verbraucht wird, ist eine Information, die man bei der Bahn ungern in die Werbung schreibt - und auch die Werte für den Regionalexpress sind alles andere als transparent.  

Ich will niemanden vom Bahnfahren abhalten; aber die einzig unumstößliche Wahrheit scheint mir das nicht.

"Zieh doch um."

Die zweite einfache Lösung, die man findet, ist seinen Wohnort in die Nähe des Arbeitsortes zu verlagern. Die Idee ist simpel - und sie ist zu simpel. Momentan wohnen wir ca. 5km entfernt von der Arbeitsstätte meiner Frau und ca. 62km entfernt von meiner. Wenn wir also nach Hamburg ziehen würden, wäre das Problem nur verlagert - und ziemlich sicher würden wir für eine kleinere Wohnung mit schlechterer Energiebilanz mehr bezahlen. Das scheint mir nicht in die richtige Richtung zu führen.

Welche Kriterien sind mir wichtig?

Aber wir wollen Lösungen suchen, und keine Probleme. Als gesetzt sehe ich meinen Wohnort und meinen Arbeitsplatz an und ebenso die Notwendigkeit, vom einen zum anderen zu kommen. Wie ich in meinem Auftakt bereit geschrieben habe, kann ich mir Projektphasen vorstellen, die ganz gut aus dem HomeOffice zu bewerkstelligen sind. Aber diese sind zumindest nicht langfristig im Voraus zu planen und zum anderen werden sie meine Präsenz im Büro nicht auf Null reduzieren.

Momentan fahre ich einen modernen Euro6-Diesel mit tatsächlichem Verbrauch von ca. 5,5 l/100km. Ja, das Auto stösst auch NOx aus, aber für den CO2-Fußabdruck lasse ich das mal für den Moment außen vor.

Für die Bewertung sehe ich hauptsächlich vier Dimensionen:

  • Den CO2-Ausstoß, den ich zu verringern versuche.
  • Die Zeit, die ich für meine tägliche Arbeitsstrecke brauche.
  • Die Kosten, die dafür anfallen.
  • Der Komfort bzgl. die Flexibilität, den ich dabei habe.

Diese Dimensionen führen möglicherweise zu einem Interessenkonflikt. Das Hauptaugenmerk liegt auf die Verringerung des CO2-Ausstoßes. Die Lösung muss aber natürlich auch praktikabel sein (ich kann nicht jeden Tag 120km mit dem Fahrrad zur Arbeit um zurück fahren, auch wenn das klimaneutral wäre und auch meiner Figur zugute käme). Und natürlich muss es auch irgendwie bezahlbar sein.

Verkehrsmittel im Vergleich

Ich betrachte meinen täglichen Arbeitsweg und vergleiche den Ist-Zustand (Diesel mit 5,5l realem Verbrauch auf 100km) mit möglichen Optionen ÖPNV und den Umstieg auf ein Elektrofahrzeug. Beim ÖPNV ist zudem berücksichtigt, dass ich von zuhause zum Bahnhof kommen muss (Bus im Stadtverkehr) sowie in Hamburg vom Bahnhof zur nächstgelegenen U-Bahn-Station. Von dort ist es noch eine Busstation bis zum Büro; diese lege ich aber zu Fuß zurück und diese geht daher nicht in die Berechnung ein). Bei der Zeitbetrachtung habe ich die reine Fahrzeit summiert; Wartezeit zwischen den Verbindungen, Verspätungen oder der Ausfall einer Verbindung findet keine Berücksichtigung.

Bei der Betrachtung der CO2-Emissionen des ÖPNV habe ich Angaben der offiziellen Quellen der Stadtwerke, des HVV und der Bahn verwendet. des Autos bzw. eines Elektroautos bin ich von folgenden Werten ausgegangen:

ÖPNV Bus im Stadtverkehr: 80g/km und Person
ÖPNV Regionalverkehr: 58g/km und Person
ÖPNV U-Bahn: 0g/km und Person (Ökostrom)
PKW Diesel: 146 g/km (Realverbrauch 5,5 l/100km)
Elektro-PKW, Deutscher Strommix: 72,18 g/km
Elektro-PKW, Stadtwerke Lübeck: 40,14 g/km
Elektro-PKW Ökostrom: 0 g/km

Die Stadtwerke Lübeck geben als CO2-Emissionen für den Nicht-Ökotarif 223g/kWh an. Der Bundesschnitt im Strommix liegt bei 401g/kWh). Den Verbrauch eines Elektro-PKWs habe ich mit 21 kWh/100km eher hoch angesetzt. Im Internet findet man Erfahrungsberichte von Leuten, die ihr Elektro-Auto mit 15 kWh/100km fahren - viele Hersteller geben aktuelle Autos nach dem WLTP-Zyklus mit ca. 18 kWh/100km an.

Der Deutsche Strommix steht hier nur als Vergleich; mein aktueller Stromanbieter hat schon im Standardtarif bessere Werte - und natürlich würde ich ein Elektrofahrzeug auch nur mit Ökostrom betreiben. 

Verkehrsmittel Reine Fahrzeit Umstiege CO2-Ausstoß pro Jahr Kosten pro Jahr Komfort & Flexibiliät
PKW (Diesel) 0,9 h - 4,63 t 2.809,30 € hoch
ÖPNV 1,38 h 2 2,06 t 2.679,96 € niedrig
Elektro-PKW (Strommix Deutschland) 0,9 h - 2,80 t 1.949,21 € hoch
Elektro-PKW (Strommix Stadtwerke Lübeck) 0,9 h - 1,48 t 1.866,55 € hoch
Elektro-PKW (Ökostrom) 0,9 h - 0 t 2.049,38 € hoch

Bei den Kosten für den eigenen PKW (Diesel oder Elektro) sind die laufenden Kosten inkl. Steuer und Versicherung berücksichtigt. Nicht berücksichtigt sind Anschaffungskosten oder Reparaturen außerhalb der Reihe.

Die Fahrzeit ist wie oben ausführlicher beschrieben zugunsten des ÖPNV gerechnet und kann sich bei ungünstiger Konstellation auch schnell auf 2 Stunden oder mehr summieren. 

Mögliche Lösungen

Wie der Tabelle zu entnehmen ist, könnte ich meinen CO2-Ausstoß für die Pendelstrecke auf knapp die Hälfte reduzieren, wenn ich auf den ÖPNV umsteigen würde. Die laufenden Kosten wären ungefähr gleich, wenn ich jeden Tag im Büro wäre. Beim PKW sinken die Kosten (und die Emissionen) mit jedem Tag, an dem ich nicht im Büro bin und nicht pendeln muss - beim Zug nur die Emissionen, weil die Jahreskarte natürlich unabhängig von der tatsächlichen Nutzung bezahlt werden muss.

Natürlich müsste ich auf Komfort und insbesondere Flexibilität verzichten - da ich nicht jeden Tag zur selben Zeit Feierabend mache, müsste ich diesen vermehrt auf den Fahrplan abstimmen. Im ungünstigen Fall kommen sonst schnell 30min Wartezeit auf den nächsten Regionalexpress von Hamburg nach Lübeck und weitere Wartezeiten für den Bus hinzu. 

Damit würde ich täglich mindestens 3 Stunden im ÖPNV verbringen; wenn es dumm läuft, auch bis zu 4 Stunden. Sehr angenehm finde ich diese Vorstellung nicht. Die aktuelle Corona-Situation trägt nicht dazu bei, mir diese Vorstellung angenehmer zu machen. 

Die Alternative Elektro-PKW finde ich da deutlich attraktiver. Selbst wenn ich dieses mit dem normalen Strom meines Stromanbieters befüllen würde, wäre der CO2-Ausstoß niedriger als mit dem ÖPNV. Kommt der benötigte Strom von regenerativen Quellen (Ökostrom) fallen überhaupt keine Emssionen an. Als Bonus würden weitere Emissionen im Stadtverkehr ebenfalls wegfallen (NOx beim ÖPNV-Stadtverkehr und Diesel-PKW). Da ich kein Elektro-PKW habe, wäre dies auf jeden Fall mit einer Investition verbunden.

Um meinen CO2-Ausstoß für das Pendeln zumindest in die Nähe des ÖPNVs zu bringen, könnte ich mir auch einen Mitfahrer suchen - in meinem Auto sind ja schließlich noch mindestens 3 Plätze frei. Einigermaßen realistisch wäre aber wohl maximal ein Mitfahrer und auch das würde zu einer Einschränkung der Flexibilität führen. 

Herausforderung: Klimaneutralität.

Ich möchte meinen CO2-Fußabdruck bereits 2021 signifikant senken und in Zukunft klimaneutral werden. Wenn Du mich auf diesem Abenteuer begleiten willst und Dich für meine Fortschritte und Gedanke interessierst, werde ich auf dieser Seite darüber berichten.

Falls Du Ideen hast oder Dich einer ähnlichen Aufgabe stellst, freue ich mich sehr über Deinen Kommentar oder Deine Nachricht.

 

07. Oktober 2020
Persönliche Klimaneutralität als Abenteuer: CO2-Fußabdruck Null

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Ich übernehme Verantwortung und versuche, meine Klimabilanz signifikant zu verbessern und meinen CO2-Fußabdruck zu reduzieren. Nicht irgendwann. Jetzt.

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